




Anhörung der Volksinitiative "Schule in Freiheit"
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POSITIONEN | Informationsblatt der SPD Berliner Mitte Ausgabe 9 vom 10. April 2011 | Seiten 4 und 5
Das Ziel war Freiheit
Treptow-Köpenick 2010 | Ein Jahr- und Lesebuch | Berlin 2009
Mit dem Mauerfall 1989 und der endgültigen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 ging die DDR zu Ende. Für viele ihrer Bürgerinnen und Bürger umfassten die 40 Jahre, die dieser Staat existierte, den größten, entscheidenden Teil ihres Lebens. In diesen 40 Jahren warensie Kinder, gingen zur Schule, fanden sie Freunde und gründeten eine Familie. Unvergessliche und kostbare Erinnerungen verbinden sich für jeden Menschen mit seiner ganz persönlichen Entwicklung und Geschichte,und diese Erinnerungen sind natürlich immer auch geprägt von den Orten, von der Umgebung und von der Gesellschaft, in der wir leben. Der Zusammenbruch des politischen Systems vor 20 Jahren hat sicherlich das Leben eines jeden DDR-Bürgers betroffen und verändert, auch hier in Treptow-Köpenick. Durch das Aufbegehren und den Druck der eigenen Bevölkerung wurde eine ungeliebte Diktatur beendet. Das war ein bewundernswerter und bejubelter Kraftakt, dessen Folgen aber erst nach und nach deutlich wurden und bis heute noch nicht ganz verdaut sind. In der Tat hat sich vieles verändert, und fraglos das meiste zum Besseren. Aber nicht alles hat sich so entwickelt wie erhofft, und vor allem ging nicht alles so schnell wie erhofft. Vergessen wir aber nicht die entscheidende Frage: Wofür sind die Menschen damals vor 20 Jahren auf die Straße gegangen und habendie Konfrontation mit der Staatsmacht riskiert? Es ging letztlich darum, sich von Unterdrückung zu befreien und demokratische Rechte zu erkämpfen, denn um die Freiheit war es in der DDR nicht gut bestellt. Und so öffnete sich, als die Mauer fiel, für die Bürgerinnen und Bürger der DDR das Tor zur Welt. Plötzlich war es möglich, in alle Länder, auf alle Kontinente zu reisen. Orte, von denen man geträumt hatte, die unerreichbar schienen, wurden nun zu Urlaubszielen. Die Welt wurde größer, und viele haben das mit großem Vergnügen wahrge-nommen. Gleichzeitig drängte die Welt in die ehemalige DDR. Insbesondere die maroden Staatsbetriebe waren auf den globalen Wettbewerb nicht vorbereitet und brachen zusammen. Kurzarbeit entpuppte sich als Vorbote für eine sich verfestigende Massenarbeitslosigkeit, die in vielen Regionen Abwanderung erzeugte. Die wirtschaftliche Wiederbelebunger wies sich als schwierig, ist aber auch in unserem Bezirk im Gange. Treptow-Köpenick ist einer der wenigen Berliner Bezirke mit Bevölkerungswachstum. Nach der Wende füllten sich die Geschäfte plötzlich mit Dingen, die bisher Mangel waren oder nur aus der Westwerbung bekannt. Es war schon ein bisschen wie Weihnachten, nur dass man das nicht alles geschenkt bekam, sondern bezahlen musste. Was dann die Hochstimmung doch schnell wieder auf Normalmaß drückte. Inzwischen gibt es Supermärkte mehr als genug, und das Angebot wird kritisch unter die Lupe genommen. Also alles normal? Alles in Ordnung? Reisefreiheit und Konsum nach Bedarf sind genug? Was selbstver-ständlich ist, wird oft nicht gebührend geschätzt. Das scheint zunehmend auch für die Werte Freiheit und Demokratie zu gelten. Damit sie mit Leben erfüllt werden, müssen sich die Bürgerinnen und Bürger für ihre Interessen engagieren. Das ist heute in einem Maße möglich, wie es die DDR nicht zuließ. Dort war letztlich immer der Staat bzw. die SED zuständig. Vielleicht steckt das noch in den Köpfen. 20 Jahre nach dem Mauerfall macht sich eine Demokratiemüdigkeit breit, die besorgniserregend ist und der Lage nicht ange-messen. Dabei gibt es viel Veränderungsbedarf, denn die Zeiten sind schwierig und neue Lösungen müssen für neue Probleme gefunden werden. Wir brauchen Leute, die Mut und Lust haben, sich einzumischen. Das kann in den Bürgervereinen sein, die eine wichtige und unverzichtbare Arbeit vor Ort leisten, das kann aber auch in den demokratischen Parteien sein, die in mühsamer Kleinarbeit dazu beitragen, die Zukunft dieses Landes zu gestalten.
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